SV Spellen 1920 e.V.

Spellen bewegt sich.

Chronik des Vereins

Spielverein Spellen 1920 e.V. - ein kleiner Rückblick anlässlich der Vereinsgründung vor 95 Jahren

Aus den Anfängen des Fußballs, oder als der Fußball laufen lernte

Als die Gründungsmitglieder unseres Vereins den SV Spellen im Jahre 1920 aus der Taufe hoben war der älteste Fußballverein in Deutschland bereits 32 Jahre alt. 1888 wurde der BFC Germania 1888 aus Berlin-Tempelhof gegründet. Er ist heute der älteste noch existierende Fußballclub Deutschlands. Ebenfalls 1890 wurde in Berlin der Bund Deutscher Fußballspieler gegründet, dem aber die überregionale Akzeptanz fehlte. Der Wunsch nach einem Zentralverband, verbunden mit einem strukturierten Spielbetrieb und verbindlichen Regeln und Normen (etwa dass Tore Latten haben sollten und nicht, wie anfangs, Seile als obere Begrenzung) führte zwangsläufig zur DFB-Gründung, des heute größten Sportverbandes der Welt.

Nach der Gründung des Deutschen Fußball-Bundes wurde dann bereits 1903 die erste Endrunde um die deutsche Meisterschaft ausgetragen, die der VfB Leipzig gewann.

Am 5. April 1908 fand das erste offizielle Länderspiel statt. Gegen die Nationalmannschaft der Schweiz gab es eine 3:5-Niederlage in Basel. In den Anfangsjahren war die deutsche Nationalmannschaft wenig erfolgreich. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 trug die DFB-Auswahl dreißig Spiele aus, von denen lediglich sechs gewonnen wurden. Eines dieser sechs gewonnenen Spiele fand während der Olympischen Spiele 1912 in Stockholm statt – Deutschland gewann am 1. Juli 1912 gegen Russland mit 16:0. Dies ist bis heute der höchste Sieg der deutschen Fußball-Auswahlmannschaft.

Nach fünf Jahren ohne Fußball auf Reichsebene wurde im Jahre 1920 wieder eine Deutsche Fußballmeisterschaft, die dreizehnte, ausgetragen.

Der Erste Weltkrieg hatte fast alles verändert in Deutschland. Nur die Austragung der ersten Meisterschaftsendrunde nach dem Kriege schien auf den ersten Blick davon ausgenommen. Wie vor dem Kriege wurden sieben Regionalmeister (Süd, West, Nord, Mitte, Berlin-Brandenburg, Südost, Nordost) ermittelt, die gemeinsam mit dem Titelverteidiger (der letzte Vorkriegsmeister, die SpVgg Fürth) im Pokalmodus den Deutschen Meister ausspielten.

Neu war aber auch der enorme Boom, den der Fußball nach dem Kriege erlebte. Dies zeigte sich nicht nur anhand zahlreicher neuer Vereinsgründungen und steigender Mitgliederzahlen in den Vereinen, sondern auch in den Zuschauerzahlen. So wollten 35.000 Besucher das erste Nachkriegsfinale in Frankfurt am Main sehen, und selbst die Durchschnittszuschauerzahlen des Viertel- und Halbfinales lag mit rund 7:160 Besuchern noch über dem Finalbesuch des Jahres 1914 mit rund 6:000 Zuschauern.

Auch die sportlichen Schwerpunkte hatten sich verlagert. Mit dem VfB Leipzig und der SpVgg Fürth nahmen an dieser Endrunde nur zwei Mannschaften teil, die auch vor dem Kriege schon einmal an einer Meisterschaftsfinalrunde teilgenommen hatten. So sah die Meisterschaft 1920 sechs Endrundenneulinge, unter denen mit dem 1. FC Nürnberg eine Mannschaft spielte, die nicht nur zum ersten Mal Deutscher Meister werden, sondern zum erfolgreichsten Team der 1920er-Jahre aufsteigen sollte.

Im gleichen Jahr wie der SV Spellen erblickte auch ein gewisser Fritz Walter das Licht der Welt. Er war einer der populärsten deutschen Fußballspieler und erster Ehrenspielführer der Nationalelf. Er wurde am 31.Oktober 1920 in Kaiserslautern geboren und starb am 17.Juni 2002 im Alter von 81 Jahren in Enkenbach-Alsenborn.

Ebenfalls im Jahre 1920 wurde bei den VII. Olympischen Spielen in Antwerpen ein Fußball-Turnier der Männer ausgetragen. An diesem Turnier nahmen 14 Nationen teil, darunter mit Ägypten zum ersten Mal ein nichteuropäisches Land. 12 Mannschaften starteten im Achtelfinale, die sechs Gewinner zogen mit Frankreich, das durch den Rückzug der Schweiz kampflos weiterkam und Belgien das ein Freilos hatte, ins Viertelfinale ein, in dem letztmals nur europäische Mannschaften standen.

Im Finale besiegte Belgien die Tschechoslowakei mit 2:0. Dabei benahm sich die bis dahin sehr erfolgreiche tschechoslowakische Mannschaft unsportlich. Nachdem sie, wie bereits beim ersten Tor, vergeblich gegen das zweite Tor der Belgier protestiert hatten, verließ die Mannschaft aufgrund der Unzufriedenheit mit den Entscheidungen des englischen Schiedsrichters John Lewis nach 38 Minuten Spielzeit geschlossen den Platz. Daraufhin wurde Belgien zum Sieger erklärt und die tschechoslowakische Mannschaft disqualifiziert. Deutschland, Österreich und Ungarn waren zu den Spielen nicht zugelassen.